Farbrad Harmonie, Kontrast, Farbsehschwäche und Wirkung in einem Instrument
Ziehen dreht die ganze Harmonie  ·  Umschalt+Ziehen verstimmt einen einzelnen Griff
78 %
49 %

Harmonieregel

Feineinstellung

Farben aus einem Bild ziehen
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Deine Palette

Klick auf eine Fläche kopiert den Wert

Flächenanteile

60 · 30 · 10 und Ittens Mengenkontrast

Ausdruck

Wirkung, Wärme und wofür die Palette taugt

Die Töne im Einzelnen was sie im deutschsprachigen Markt konventionell tragen

Passt zu nach Wirkprofil sortiert

Spricht dagegen

Die drei Werte folgen den Regressionen von Valdez & Mehrabian (1994): Zuwendung = 0,69·H + 0,22·S, Erregung = −0,31·H + 0,60·S, Dominanz = −0,76·H + 0,32·S. Das Bemerkenswerte daran ist, was fehlt — der Farbton. Helligkeit und Sättigung erklären die emotionale Wirkung deutlich zuverlässiger als die Frage, ob etwas rot oder blau ist. Die Branchenliste ist deshalb Konvention und Erfahrungswissen, keine Messung. Labrecque & Milne (2012) fanden, dass nicht die Farbe an sich wirkt, sondern ob sie zu dem passt, was die Marke ohnehin sein will. Nimm die Liste als Startpunkt, nicht als Urteil — und die stärkste Wirkung hat sie immer noch dann, wenn du sie bewusst brichst.

Kontrastmessung

Farbsehschwäche

Simulation nach Machado u. a. (2009)

Rund 8 % der Männer und 0,5 % der Frauen unterscheiden Rot und Grün schlecht — die Grünschwäche allein trifft etwa jeden zwanzigsten Mann. Die letzte Zeile ist der härteste Test: Was dort noch auseinanderfällt, hält auch im Schwarzweiß-Druck, auf einem schlechten Beamer und in der Sonne. Und egal wie gut die Palette abschneidet — eine Aussage, die allein über den Farbton läuft, bleibt riskant. Gib ihr zusätzlich Form, Position oder Text.

Tonleitern

11 Stufen je Farbe, perzeptiv gleichmäßig

Vorschau

Übergabe


      

Was hinter dem Rad steckt

Die Regeln, nach denen das Werkzeug rechnet — und die zwei Stellen, an denen die Schulbuchversion in der Praxis kippt.

Zuerst: dein „ein Drittel“ stimmt — aber nicht für den stärksten Kontrast

Zwei verschiedene Regeln werden oft in einen Topf geworfen. Gegenüber heißt eine halbe Umdrehung, 180°: das ist die Komplementärfarbe, und die hat tatsächlich den stärksten Farbkontrast, den das Rad hergibt. Ein Drittel heißt 120° — das ist die Triade: drei Farben im gleichseitigen Dreieck. Sie ist lebendig und ausgewogen, aber jedes einzelne Paar darin hat weniger Spannung als ein echtes Komplementärpaar.

Anders gesagt: Willst du Aufmerksamkeit an einer Stelle, nimm 180°. Willst du eine ganze Oberfläche, die bunt ist und trotzdem zusammenhält, nimm 120°. Und der Kompromiss, den erfahrene Gestalter am häufigsten wählen, liegt bei 150°/210° — geteilt-komplementär: fast die volle Spannung, ohne das Flimmern, das zwei satte Gegenfarben nebeneinander erzeugen.

Faustregel des Rades: Der Abstand auf dem Kreis steuert die Spannung. Die Flächenverteilung steuert, ob die Spannung angenehm oder anstrengend ist. Fast jede misslungene Palette ist eigentlich ein Mengenproblem, kein Farbproblem.

Zwei Räder, zwei Gegenfarben

Auf dem Malerrad (RYB — Rot, Gelb, Blau als Grundfarben, das Rad auf deinem Bild) liegt Grün gegenüber Rot, Violett gegenüber Gelb, Orange gegenüber Blau. Auf dem Bildschirmrad (RGB, additiv) liegt Cyan gegenüber Rot, Magenta gegenüber Grün, Gelb gegenüber Blau.

Keins von beiden ist falsch. Das RYB-Rad beschreibt, wie sich Pigment mischt und wozu unser Auge kulturell erzogen ist — Weihnachten ist rot/grün, nicht rot/cyan. Das RGB-Rad beschreibt, wie Licht sich mischt, und liefert die physikalisch neutralisierenden Paare. Für Marken- und Printgefühl schaltest du oben auf Malerrad, für rechnerisch saubere Bildschirmpaare auf RGB.

Warum HSL bei der Helligkeit lügt

In HSL haben Gelb und Blau bei L 50 % denselben Zahlenwert — aber das Gelb strahlt, und das Blau wirkt wie ein Loch. Der Grund: HSL beschreibt Bildschirmgeometrie, nicht Wahrnehmung.

OKLCH tut das. Gleiches L sieht dort wirklich gleich hell aus, gleiches C wirklich gleich bunt. Deshalb rechnet dieses Werkzeug die Tonleitern und den Schalter „perzeptiv ausgleichen“ in OKLCH: Schritte werden gleichmäßig, und die Palette hört auf, an einer Stelle zu explodieren.

Ittens sieben Kontraste

Johannes Itten hat am Bauhaus sortiert, worüber Farbe überhaupt wirken kann. Farbharmonie ist nur einer dieser sieben Hebel — die anderen sechs sind der Grund, warum eine „richtige“ Palette trotzdem tot aussehen kann.

Farbe-an-sich
reine, unvermischte Töne nebeneinander — laut, plakativ
Hell-Dunkel
der Kontrast, der Lesbarkeit macht. Ohne ihn hilft keine Harmonie
Kalt-Warm
erzeugt Tiefe: Warmes kommt nach vorn, Kaltes tritt zurück
Komplementär
Gegenfarben verstärken sich gegenseitig bis zum Flimmern
Simultan
dasselbe Grau wirkt neben Rot grünlich — Farbe färbt ihre Nachbarn
Qualität
satt gegen stumpf. Ein einziger reiner Ton im gedämpften Feld zieht alles an
Quantität
Fläche gegen Fläche. Der am meisten unterschätzte Hebel überhaupt

Der Mengenkontrast — Ittens Zahlen

Itten setzte, nach Goethes Helligkeitswerten, feste Lichtwerte an: Gelb 9, Orange 8, Rot 6, Grün 6, Blau 4, Violett 3. Zwei Farben stehen dann im Gleichgewicht, wenn ihre Flächen umgekehrt zu diesen Werten stehen.

Gelb zu Violett also 1 : 3, Orange zu Blau 1 : 2, Rot zu Grün 1 : 1. Deshalb wirkt wenig Gelb schon wie viel — und deshalb rechnet dieses Werkzeug dir das Verhältnis für dein konkretes Paar mit aus.

60 · 30 · 10

Die Innenarchitektur-Regel, die auf Bildschirmen genauso trägt: 60 % Grundfläche (meist ein sehr heller oder sehr dunkler Ton), 30 % Trägerfarbe für Flächen, Karten, Zonen, 10 % Akzent — und nur der darf schreien.

Der häufigste Fehler ist nicht die falsche Akzentfarbe, sondern zu viel davon. Wenn alles wichtig ist, ist nichts wichtig: Sobald der Akzent über etwa ein Zehntel der Fläche wächst, verliert er genau die Funktion, für die er ausgewählt wurde.

Harmonie ist keine Lesbarkeit

Zwei Farben können perfekt gegenüberliegen und trotzdem unlesbar sein — weil sie fast gleich hell sind. Farbe-gegen-Farbe ist Ittens erster Kontrast, Hell-gegen-Dunkel sein zweiter. Nur der zweite entscheidet, ob Text funktioniert.

Deshalb die Matrix: WCAG 2 misst als Verhältnis — ab 4,5:1 gilt Fließtext als zugänglich, ab 3:1 große Schrift und Bedienelemente. APCA ist der neuere Ansatz aus der WCAG-3-Arbeit; er gibt einen Lc-Wert (etwa Lc 75 für Fließtext, Lc 60 für Überschriften) und behandelt helle Schrift auf Dunkel realistischer als das alte Verhältnis.

Was Farbe wirklich auslöst

Die meisten Farbpsychologie-Artikel behaupten mehr, als sich belegen lässt. Was sich belegen lässt, ist eine ältere und unbequemere Erkenntnis: Valdez & Mehrabian haben 1994 gemessen, wie Menschen auf Farben reagieren, und fanden — der Farbton erklärt am wenigsten. Helligkeit und Sättigung erklären die Wirkung viel zuverlässiger.

Konkret: Sättigung treibt die Erregung, Helligkeit treibt die Zuwendung, und Dominanz wächst, je dunkler und satter es wird. Deshalb wirkt ein dunkles gesättigtes Blau schwerer als ein helles gesättigtes Rot, obwohl „Rot ist laut" das genaue Gegenteil verspricht.

Praktisch heißt das: Willst du mehr Energie, dreh zuerst die Sättigung hoch, nicht den Farbton um. Und wenn etwas teurer wirken soll, nimm Helligkeit weg, statt Gold dazuzutun.

Warum die Branchenliste kein Urteil ist

Labrecque & Milne fanden 2012 zwar die bekannten Zuordnungen — Rot wirkt aufregend, Blau kompetent. Ihr wichtigeres Ergebnis war aber ein anderes: Farbe wirkt nicht direkt auf die Kaufabsicht, sondern nur darüber, ob sie zu dem passt, was die Marke ohnehin sein will.

Ein rotes Versicherungslogo scheitert nicht daran, dass Rot falsch ist, sondern daran, dass es etwas verspricht, was der Rest des Angebots nicht einlöst. Umgekehrt ist ein rotes Fitnessstudio stimmig, weil dort alles laut sein darf.

Deshalb sortiert dieses Werkzeug nach Wirkprofil und nicht nach „Farbe X gehört zu Branche Y". Die Liste sagt dir, wo diese Palette weniger Erklärung braucht. Sie sagt dir nicht, dass du woanders nicht antreten darfst — die stärksten Marken sind meist genau die, die den Ton ihrer Branche bewusst verlassen haben.

Was die Regeln nicht sagen

Ein Rad kennt keine Bedeutung. Es weiß nicht, dass Rot in der Finanz-Oberfläche Verlust heißt, dass Grün in der Medizin „in Ordnung“ signalisiert, oder dass deine Wettbewerber alle im selben Blau sitzen. Die Geometrie liefert dir Kandidaten — die Entscheidung bleibt inhaltlich.

Und: rund 8 % der Männer unterscheiden Rot und Grün schlecht. Eine Aussage, die allein über Farbton läuft, ist für sie weg. Deshalb trägt jede wichtige Unterscheidung immer noch ein zweites Merkmal — Helligkeit, Form, Position oder Text.